Ende September 2003 war ich plötzlich das erste Mal seit vielen Jahren völlig alleine. Die ersten Tage und Wochen als Studentin waren für mich geprägt von einer Einsamkeit, die ich bisher nicht kannte und einem unglaublich starken Bedürfnis dazu zu gehören.

In der zweiten Studienwoche stand ein sogenannter „Outdoor-Tag“ auf dem Programm. Ein Tag, an dem sich die Gruppe der Studenten besser kennenlernen und zu einem Team zusammenwachsen sollte.

Damals, vor mehr als 15 Jahren, fand ich mich das erste Mal in einer Gruppe wieder, in der ich niemanden kannte. Und als ich gemeinsam mit meinen neuen Studienkollegen durch die burgenländischen Hügel wanderte, war mein einziger Gedanke der, eine Gruppe zu finden.

Ich war 18, mit einem eher geringen Selbstwertgefühl, dafür aber mit einer umso größeren Klappe ausgestattet.

Als wir dazu aufgefordert wurden uns nach gewissen Gewohnheiten in kleinere Gruppen einzuordnen, fand ich mich plötzlich in der „Biertrinker“ Gruppe wieder. Wie ich da hin kam? Nun ja, einige der Kollegen, die sich auch dieser Gruppe zugehörig fühlten, hatte ich aus Sympathiegründen schon zuvor als „meine Leute“ identifiziert. Und in diesem Moment hatte ich auch kein Problem damit, dass ich nun zukünftig wahrscheinlich wirklich anfangen musste Bier zu trinken – schließlich gehörte ich jetzt zumindest irgendwo dazu.

Einige dieser Menschen gehörten tatsächlich die nächsten 4 Jahre zu meiner Gruppe (und einige wenige tun es auch heute noch), nach und nach wuchsen wir zusammen und ich musste mich nicht mehr anpassen um dazu zu gehören, allerdings frage ich mich heute, ob es wohl ohne diese „Bier-Notlüge“ auch geklappt hätte.

Diese Situation war nicht die erste und auch sicher nicht die letzte, in der ich mich angepasst habe, um irgendwo dazu zu gehören. Manchmal war es nur der Türöffner und in manchen Fällen spiele ich meine Rolle schon dauerhaft.

An guten Tagen sehe ich es als eine meiner größten Stärken, dass ich mich in jede Gruppe einfügen kann. Die Frage, die sich dann aber stellt ist – wie sehr bin ich dann eigentlich noch ich?

Und an Tagen, wo ich dringend Rückendeckung aus meinen Gruppen bräuchte und sie nicht bekomme oder plötzlich etwas nicht mehr mit meinen Werten konform geht und ich mich distanzieren muss, dann ist die Einsamkeit inmitten von vielen Menschen plötzlich wieder da.


Sich anpassen:
die Gruppe akzeptiert mich, weil ich so „bin“, wie sie mich sehen sollen.

Dazugehören:
die Gruppe akzeptiert mich, weil ich bin wie ich bin.

 

Dazugehören gibt mir also die Möglichkeit ich selbst zu sein und meine Energie nicht in ständiges Anpassen investieren zu müssen, allerdings ist der Weg dorthin nicht gerade leicht.

Die nächsten Wochen widme ich mich deshalb ganz besonders dem Thema Zugehörigkeit und hoffe du gehst diesen Weg mit mir gemeinsam, denn:

“A deep sense of love and belonging is an irreducible need of all people. We are biologically, cognitively, physically, and spiritually wired to love, to be loved, and to belong. When those needs are not met, we don’t function as we were meant to. We break. We fall apart. We numb. We ache. We hurt others. We get sick.“

Brené Brown


entspannte Grüße, Viktoria