Tagtäglich müssen wir Entscheidungen treffen. Mal sind sie klein und ohne augenscheinlich große Auswirkungen, mal sind sie groß und richtungsweisend.

Wenn du mich durch den achtsamen April begleitet hast, wirst du dich vielleicht noch daran erinnern, dass viele unserer alltäglichen Entscheidungen völlig unbewusst durch unseren Autopiloten getroffen werden. Basierend auf unseren bisherigen Erfahrungen entscheidet der Autopilot was wir tun und was wir nicht tun.

Das schenkt uns viel freie Energie in unserem Gehirn um wichtige Entscheidungen treffen zu können, birgt aber auch die Gefahr, dass wir tagein, tagaus immer dieselbe Routine starten, auch wenn diese vielleicht gar nicht mehr zu unserem Leben passt.

In den letzten Monaten hat sich aber unser aller Leben, mehr oder weniger dramatisch, verändert und dadurch auch viele unserer Routinen.


In meinem Fall hat diese Veränderung am 16.März 2020 begonnen (und bei dir wahrscheinlich auch irgendwann im Laufe dieser Woche).

Plötzlich war vieles einfach nicht mehr so, wie in der Woche davor.

Von einem Tag auf den anderen war ich untertags nicht mehr alleine zuhause. All meine Arbeitsroutinen haben sich praktisch in Luft aufgelöst, denn Ruhe, die ich für konzentriertes arbeiten und denken brauche, konnte ich mir abschminken.

Aus heiterem Himmel war ich für das Homeschooling meiner Kinder verantwortlich und Mittagessen für vier Menschen zu kochen ist etwas ganz anderes, als schnell mal alleine etwas zu Mittag zu essen.

Zeit für mich alleine? Haha…

Kurz gesagt – es hat sich einiges verändert und mein Autopilot konnte nicht mehr so einfach übernehmen.
Gut für mein Achtsamkeitstraining, aber vor allem in den ersten Wochen eine große Belastung.

Neue Routinen mussten her und das bitte schnell, idealerweise bevor ich wahnsinnig werde…


Was mich an uns Menschen mehr als alles andere fasziniert ist unsere Anpassungsfähigkeit.

Innerhalb kürzester Zeit haben die meisten von uns die neuen Regeln des Alltags angenommen. Neue Kommunikationswege wurden gefunden, Abstand zu halten ist mittlerweile schon fast „normal“.

Und auch unsere Familien – Routinen haben sich langsam aber stetig an die neue Situation angepasst.

  • Wir haben einen Tagesplan erstellt, um den Kindern und vor allem auch uns Struktur zu geben.
  • Ich habe (mit manchmal mehr und manchmal weniger Erfolg) meine beruflichen Termine auf die Zeiten gelegt, in denen die Kinder beschäftigt sind und ich nicht dauernd gestört werde.
  • Wir essen immer zur gleichen Zeit.
  • Wir haben Familienzeiten, in denen wir gemeinsam spielen oder draußen sind.
  • Meine schon fast wieder vergessene Routine (die sich nie wirklich ganz durchsetzen konnte, weil es im warmen Bett einfach viel zu gemütlich ist) früher als die anderen aufzustehen und die Zeit für mich zu nutzen, erlebt eine Renaissance.

Wie sich dann alles wieder verändern wird, wenn die Schule für die Jungs wieder beginnt und mein Mann wieder ins Büro fährt?

Ich weiß es nicht.

Ich denke, dass niemand sagen kann, wie unser „neues altes“ Leben dann aussehen wird.

Was ich aber aus ganzem Herzen glaube ist, dass jetzt die Zeit ist, mir darüber klar zu werden, welche meiner alt eingesessenen Routinen gut für mich sind und welche nicht.

Zum Beispiel bin ich mir jetzt schon klar darüber, dass ich einiges von „vor der Krise“ nicht mehr in mein Leben zurück holen möchte und dass ein Tagesplan wirklich keine schlechte Idee ist.


Ausgetretene Pfade sind die sichersten, aber es herrscht viel Verkehr.
(Jeff Taylor)

Zeiten des Umbruchs bergen die unterschiedlichsten Herausforderungen.

Das geht von „wie gestalte ich meinen Alltag?“ über “ wie kann ich mich motivieren?“ bis hin zu „wie soll ich meinen Lebensunterhalt verdienen können?“.

Jede Situation und auch jeder dahinter stehende Mensch ist unterschiedlich, aber wir alle können

  • herausfinden, was wir ändern wollen
  • erkennen, was wir ändern können und was außerhalb des eigenen Einflussbereichs liegt
  • einen Schritt nach dem anderen gehen
  • anderen und uns selbst gegenüber nachsichtig sein

Wir müssen von ganzem Herzen alles, was uns trifft, willkommen heißen, wir dürfen auch innerlich nicht murren, ja uns nicht einmal wundern.
(Marc Aurel)


Ich freue mich immer sehr, wenn du mich an deinen Erfahrungen teilhaben lässt – also keine Scheu!!!

 

Bleib achtsam und gesund, deine Viktoria