perspektive

Ich liege im Bett. Mittlerweile schon den ganzen Tag. Manchmal schlafe ich, manchmal versuche ich einfach nur Ruhe zu geben.

Es ist einer dieser Tage, wo mir mein Körper ganz unmissverständlich zu verstehen gibt, dass es Zeit ist für eine Pause.
Ich bin krank.
Nicht schwer krank, aber krank genug für eine große Portion Selbstmitleid.

Nicht einmal wenn ich wollte, könnte ich aufstehen. Geschweige denn etwas „produktives“ tun.

Und während ich so im Bett liege tanzen meine Gedanken den Conga.

Der Großteil davon absolut blödsinnige Gedanken – mein Favorit?

„Was, wenn das nie wieder besser wird?“


Perspektive, bitte

In schwierigen Situationen die Perspektive zu wechseln und nicht alles dunkelschwarz zu sehen, ist (fast) ein Ding der Unmöglichkeit. Zumindest für mich.
Viel zu gerne kuschle ich mit meinem Selbstmitleid und fühle mich wie der ärmste Mensch der Welt.

Schwierige Situationen gibt es immer wieder einmal – kein Licht ohne Schatten – das gehört zu unserem Abenteuer Leben nun mal dazu.


Vor einigen Jahren ist mir dann in einem meiner Bücher eine Geschichte in die Hände gefallen, die mir seither hilft, immer öfter mein Selbstmitleid und Fatalismus (Was, wenn das nie wieder besser wird?) in Schach zu halten.

Die Geschichte handelt von einem König, der ein Mittel suchte, das ihn in Zeiten höchster Verzweiflung erretten könne.
Viele Magier und Gelehrte versuchten ihr Glück, aber niemand fand ihm das richtige Mittel.
Als Letzten befragte der König einen Einsiedler und dieser nahm ein winziges Stück Pergament, schrieb etwas darauf und steckte dieses Pergament in den Ring des Königs.
Dann sagte er: „Hör gut zu, König. Wenn du wieder einmal in größter Erregung deines Gemüts bist, dann brich den Edelstein heraus und sieh dir das Pergament genau an.“
In den folgenden Jahren brach Krieg aus und der König wurde gefangen genommen. In Zeiten der höchsten Not brach er den Stein aus dem Ring und las das Stück Pergament.

„Auch das geht vorbei“.

Erst lachte er bitter auf, doch dann wurde er ganz ruhig und in seine Seele kehrte Frieden ein.

Kurz darauf wurde der König befreit und er kehrte als siegreicher Held zurück. Sein Herz war übervoll mit Freude. Da dachte er an die Worte des Einsiedlers: Wenn du in größter Erregung deines Gemütes bist, sieh dir das Pergament genau an…

„Auch das geht vorbei“.

Und wieder kehrte der tiefe Frieden ins Herz des Königs ein und er verstand:
Alles ist vergänglich, das Schlimme, aber auch das Gute – das Herz des Weisen hängt nicht an den vergänglichen Wechselfällen des Schicksals.


In den sonnigen Stunden meines Lebens, wo alles gut läuft, ich fit bin und zufrieden versuche ich also ganz bewusst Gelassenheit und Dankbarkeit zu kultivieren und so meine Perspektive immer wieder zu wechseln – frei nach dem Motto:

„Es ist okay so wie es ist und es geht vorbei“

 


Wie dunkel die Gewitterwolke auch sein mag, die sich zusammenbraut – du bist nicht die Wolke, du bist der Himmel.

(Ronald Schweppe)

 

Bleib achtsam und mutig, deine Viktoria