Die Sonne geht auf. Die Sonne geht unter.

Wie kann etwas so Großartiges auf mich nur so banal wirken?

Ist es nicht ein Wunder, wie sich alles so harmonisch ineinander fügt?

Die unglaubliche Schönheit unserer Erde ist für mich nur in besonderen Momenten erlebbar.

Was ist mein Platz in diesem Universum? Bin ich nicht einfach nur ein Staubkörnchen, im Vergleich zur unendlichen Weite des Universums?

Worüber habe ich eigentlich Kontrolle?

Ich liebe Kontrolle.

Ich möchte mit der Gewissheit, dass ich kontrollieren kann, was mit mir passiert, abends schlafen gehen.

Und doch zeigt mir die Situation in der wir uns alle gerade befinden (und uns wahrscheinlich schon immer befunden haben), dass ich in hohem Ausmaß nur ein Spielball höherer Gewalten bin.

Das gefällt mir nicht.

Und trotzdem nimmt es mir irgendwie auch eine schwere Last von den Schultern.

Was ist denn mein Beitrag zum großen Ganzen?

Ist es nicht ein Wunder, dass wir Staubkörnchen auf dieser Erde leben können?

Und wir dürfen nicht nur leben. Wir dürfen uns auch entfalten, unseren Sinn suchen und nach Glück streben.

Ich denke also über das große Ganze nach und stelle mir unweigerlich die Frage, ob ich eigentlich das Beste aus der Zeit mache, die mir noch bleibt.

Das Beste klingt für mich immer so marktschreierisch nach Selbstoptimierung. Es muss mehr werden. Immer mehr.

Aber vielleicht ist doch gerade jetzt die Zeit für weniger gekommen?

Vielleicht ist es meine Aufgabe, mit dem hauszuhalten was ich habe. Genügsam zu sein. Die Magie der kleinen Dinge wieder zu entdecken.

Ich möchte mich auf das Wesentliche konzentrieren und was ist wesentlicher als der Lauf der Sonne?

Ohne den Lauf der Sonne gäbe es uns nicht.

Ohne den Lauf der Sonne bräuchten wir keine Gedanken an Optimierung zu verschwenden. Auch wenn wir im Nebel versinken, egal ob es uns gut geht oder nicht, der Lauf der Sonne ist die eine Konstante in unser aller Leben.

Es ist also 7:28 und ich sitze mit einer dicken Jacke in unserem Garten.

Langsam weicht die Dunkelheit dem Licht. Es ist fast nicht wahrnehmbar, aber ich möchte mich auf dieses Schauspiel der Natur einlassen. Es auskosten.

Sind wir nicht alle Glückspilze, dass es uns unsere Atmosphäre ermöglicht zu leben?

Ist das vielleicht der Inbegriff der Magie der kleinen Dinge?