Prokrastination (lateinisch procrastinare „vertagen“; Zusammensetzung aus pro „für“ und crastinum „Morgen“), auch „extremes Aufschieben“, ist eine pathologische Störung, die durch ein unnötiges Vertagen des Beginns oder durch Unterbrechen von Aufgaben gekennzeichnet ist, sodass ein Fertigstellen nicht oder nur unter Druck zustande kommt. Das Gegenteil der Prokrastination ist die Präkrastination. (Wikipedia)

 

Es ist wieder einmal soweit. Es ist Wochenende. Als ich heute aufgewacht bin, war ich fest entschlossen wieder etwas für meinen kleinen, feinen Blog zu schreiben. „Heute!“ hab ich mir gedacht, „heute ist der Tag. Ich habe so viele Ideen und die müssen einfach wieder zu Papier gebracht werden.“ So weit so gut, doch dann kommt mir doch wieder das Leben in die Quere – oder zumindest ist das meine Ausrede für vieles 😉 .

Den Vormittag verbringen wir bei einem Fußballturnier und als wir dann am Nachmittag nach Hause kommen, lege ich mich erst einmal auf die Couch. Und da bleibe ich. Ziemlich lange. Meine Motivation hat sich verabschiedet und meinem Bedürfnis nach Ruhe und rasten Platz gemacht.

„Naja, schließlich ist es Wochenende“ denke ich mir und dann kommt da doch dieses nagende Gefühl in mir hoch. Schließlich habe ich mich aus freien Stücken dazu entschlossen diesen Blog zu betreiben und ich liebe ihn – nur dieses arbeiten ohne wirkliche Deadline macht es mir nicht gerade leicht.

Nach einer sehr langen Zeit auf der Couch (die Kinder haben heute Fernsehtag, deshalb war diese Zeit auch weitgehend ungestört 😉 ) stelle ich fest, dass ich prokrastiniere. Ich schiebe das Schreiben hier auf. Immer und immer wieder. Aber warum? Und was kann ich dagegen tun?

 

Vor längerer Zeit habe ich das Buch „Better than before“ von Gretchen Rubin gelesen. In diesem Buch schreibt sie darüber, wie Gewohnheiten entstehen und wie man seine Gewohnheiten ändern kann und das hängt sehr stark damit zusammen in welchen der 4 unterschiedlichen Persönlichkeitstypen – „Four Tendencies“ man fällt. Das hat mich extrem neugierig gemacht und nachdem ich den dazugehörigen Test gemacht habe weiß ich nun, dass ich ein „Obliger“ bin. Ich kann sehr gut mit äußeren Erwartungen umgehen (weshalb ich in meinem Beruf so gut wie nie prokrastiniere), habe aber Probleme damit meine inneren Erwartungen zu erfüllen. Ich fühle mich anderen gegenüber viel mehr verpflichtet als mir selbst.

Kleines Beispiel gefällig?

Ich weiß, dass Bewegung gut für mich ist, aber ich kann mich nicht regelmäßig dazu überwinden laufen zu gehen. Im Jänner haben sich mein Mann, Schwager und Schwägerin und ich zum Wiener Staffelmarathon angemeldet und jetzt muss ich laufen gehen und mache es auch. Selbe Tätigkeit, nur einmal mit äußerer Erwartung und einmal eben nicht…

Ich weiß also, dass es mir leichter fällt auf äußere Erwartungen zu reagieren, aber das würde dann ja heißen, dass ich mir auch weiterhin so schwer tun werde regelmäßig für diese kleinen, feinen Blog zu schreiben. Deshalb habe ich mal die weiten des Internets nach Strategien gegen die Prokrastination durchsucht und bin sehr schnell fündig geworden (ich bin auf jeden Fall nicht die Einzige mit diesem Problem 😉 ).

Von den vielen Strategien habe ich mir mein eigenes Potpourri zusammengestellt – vielleicht hilft es ja auch dem einen oder der anderen von euch, die auch mit dieser Herausforderung zu kämpfen haben.

Sofort anfangen

Ich weiß von mir, dass meine Motivation plötzlich auftaucht und ebenso schnell wieder verfliegt. Das heißt für mich, dass ich sofort beginnen muss, wenn sie sich aus ihrem tiefen Schlaf erhebt. Das schwierige daran ist, dass alles andere dann in diesem Moment irgendwie angenehmer oder als die bessere Wahl erscheint. Auf der Couch liegen und fernsehen oder einen Blogbeitrag schreiben? Auf der Couch liegen und fernsehen oder einen Newsletter verschicken? Auf der Couch liegen und fernsehen oder eine neue Meditation aufnehmen?
Wenn ich also darauf warte, dass ich mich danach fühle von der Couch aufzustehen, dann werde ich wohl nie mehr etwas schreiben. Meine neue Strategie ist also mich bewusst dafür zu entscheiden, sobald ich einen Anflug an Motivation verspüre. Nicht nachdenken, sondern einfach aufstehen und machen.

 

Weniger ist manchmal mehr

Das gilt sowohl für die Menge als auch für das Maß an Perfektion. Irgendwie hat es sich in mir festgesetzt, dass ein Blogbeitrag eine gewisse Länge haben sollte, um erfolgreich zu sein. Ganz ehrlich? Was für ein Bullshit. Ich selbst lese am liebsten kurze Artikel, die ich auch untertags gut unterbringen kann. Wenn ich länger lesen möchte, dann nehme ich mir ein (echtes, also aus Papier bestehendes) Buch zur Hand.
Und das mit der Perfektion? Natürlich möchte ich hier keinen völligen Blödsinn schreiben, aber zwischen absolutem Blödsinn und niemals fertig werden, weil alles perfekt sein muss, ist viel Spielraum.

 

Mit der neuen Strategie sofort zu beginnen und einem realistischeren Anspruch an meine Beiträge werde ich es hoffentlich schaffen wieder öfter hier zu schreiben. Versprechen kann ich aber nichts 😉 .