Guten Appetit

 

Einer der schönsten Aspekte dieser Krise ist, dass ich nun endlich noch mehr Zeit habe um zu kochen. Und es ist auch zu Mittag jemand da, der mit mir gemeinsam isst.

Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch seinen eigenen Weg finden muss, wenn es um seine Ernährung geht. Natürlich würde ich öfter mal manchen Menschen mehr Hausverstand wünschen, wenn ich gewisse Einkaufswägen sehe, aber man soll ja sprichwörtlich nicht mit Steinen werfen, wenn man eventuell doch auch im Glashaus sitzt.

Wie für viele andere auch, ist Essen für mich nicht gleich Essen.
Ich vertrage einige Nahrungsmittel (wie zum Beispiel Milch) nicht besonders gut, andere Nahrungsmittel (wie zum Beispiel Fleisch) habe ich aus ethischen und ökologischen Gründen aus meinem Speiseplan gestrichen.
Ich bin wahrlich kein Ernährungsexperte und deshalb werde ich hier dir auch keine Ratschläge geben, außer einem:

Iss achtsam!

Achtsam zu essen kann ich tatsächlich uneingeschränkt empfehlen, denn für mich hat dieses Prinzip (auch wenn es mir ganz sicher nicht immer gelingt) viele meiner Herausforderungen in Bezug auf Essen gelöst.


 TAG 14

Achtsam essen

Gerade in stressigen Zeiten essen wir oft mehr als uns gut tut.

Wenn der Körper auf den urzeitlichen Kampf-oder Flucht Modus eingestellt ist, meint er er sei in Gefahr und verlangt nach Treibstoff. Unter diesen Umständen greifen wir also evolutionsbedingt eher nicht zur Karotte oder Gurke, sondern eher nach Zucker und Kohlenhydrate, weil diese der Körper schnell in Energie umwandeln kann.

Ärgerlicherweise unterscheidet unser Körper aber leider nicht zwischen echter und vermeintlicher Gefahr.In jeder Stresssituation passiert in Bruchteilen von Sekunden folgendes:
die Verdauung wird unterbrochen, das Blut fließt aus den inneren Organen in die Muskulatur, der Spannungszustand erhöht sich, der Sauerstofftransport wird verstärkt, die Herzfrequenz steigt…

Und wenn dieser Stressreaktion keine körperliche Aktivität folgt, bleiben diese „Helferlein gegen Gefahren“ im Körper und können ihn auf Dauer massiv schädigen. Das passiert natürlich nicht sofort und ist auch sicher nicht bei jedem Menschen gleich ausgeprägt, aber das Grundprinzip ist immer das selbe.

Die gute Nachricht ist, dass man durch regelmäßige „Entspannung“ Stresssymptome immer wieder „ausschalten“ kann und genau dafür möchte ich dir heute, bevor wir uns mit achtsamen Essen beschäftigen, meine Entspannungsübungen im Pausenraum empfehlen (einfach auf den Link klicken und entspannen).


Um Achtsamkeit zu entwickeln, machen wir einfach die gleichen Dinge, die wir immer tun – wir essen, gehen, sitzen, arbeiten – aber wir tun das mit „achtsamen Gewahrsein für das, was wir tun“.

Wenn wir essen, wissen wir, dass wir essen. Wenn wir eine Tür öffnen, wissen wir, dass wir eine Tür öffnen. Und so weiter…

Bist du beim Kauen mit deinen Gedanken bei der Arbeit, dann ist das kein achtsames Essen.


Folgende Anregungen sollen dir helfen künftig mit mehr Achtsamkeit und vor allem auch Genuss zu essen.

mit Freude kochen
selbst zu kochen macht Freude, ganz egal was du kochst – sobald du Zeit und Mühe in die Zubereitung des Essens stecken musst, ist die Wertschätzung gleich viel größer

nur drei Dingen Aufmerksamkeit schenken
und zwar dem Atem, deinem Essen und der Gesellschaft in der du isst

zuerst mal atmen
wenn du vor deinem Teller sitzt atme so lange ganz bewusst, bis du ruhig bist und dein Gedankenkarussel sich nicht mehr ganz so schnell dreht

den Fernseher ausschalten
auch den „Fernseher in deinem Kopf“ 🙂

kau die Nahrung, nicht deine Sorgen
hör‘ auf während des Essens über etwas nachzudenken, das nicht gerade jetzt passiert. Kauf nicht auf deinen Sorgen, Ängsten oder deiner Wut herum, sondern kau einfach nur

setz dich beim Essen hin
isst du auch so wie ich sehr oft im Stehen oder auf dem Weg von hier nach da?  Setz dich beim Essen hin – das hinsetzen ist dabei eine Erinnerungsstütze für dich innezuhalten

in Stille essen
manchmal hilft es in Stille zu essen und dabei deine Aufmerksamkeit  auf den Atem, das Essen und die Menschen, mit denen du zusammen bist, zu richten.
Es ist nicht leicht, aber eine sehr einfache Möglichkeit im Hier und Jetzt zu sein.


Die heutigen Anregungen habe ich gelesen, getestet und für gut befunden im Buch: „Einfach Essen“ von Thich Nhat Hanh.

Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm immer nur die Dinge zumuten, die er verdauen kann.Winston Churchill

Ich freue mich immer sehr, wenn du mich an deinen Erfahrungen teilhaben lässt – also keine Scheu!!!
Achtsame Grüße und bis morgen, eure Viktoria